August 7, 2017 Steven Noll

Interview mit Race-Champion Florian Gruber

Pringles Kitesurf World Cup 2016, 26.08. - 04.09.2016, Südstrand, Fehmarn. Photo: Joern Pollex/HochZwei

Florian Gruber ist Deutschlands schnellster Kitesurfer. Der Garmischer wurde bereits 2013 Weltmeister im Racing und hat 2015 die World Tour im Slalom gewonnen. Seit dem vergangenen Jahr ist der Kitesurf-Profi auf die neue Renndisziplin Foil umgestiegen, bei dem eine flügelartige Verlängerung unter dem Board das Brett schon bei geringem Tempo aus dem Wasser hebt. Die Rider gleiten dann ausschließlich auf diesem Flügel über das Meer und erreichen wegen des geringen Wasserwiderstandes Geschwindigkeiten von bis zu 70 km/h.
Beim Mercedes-Benz Kitesurf World Cup Fehmarn (18. bis zum 27. August), dem einzigen Tourstopp der Hydrofoil Pro Tour in Deutschland, der allerdings keinen World-Cup-Status besitzt, will Florian Gruber seinen Sieg aus dem letzten Jahr wiederholen. Was der 23-Jährige über die größte Kitesurf-Veranstaltung der Welt und eine mögliche Teilnahme bei den Olympischen Spielen denkt, verrät er in einem Interview.
Du warst im Racing und Slalom sehr erfolgreich. Warum bist Du auf Foil umgestiegen?
Schon 2014 sind ein paar Racer-Kollegen damit gefahren. Ich habe mir das angeschaut und dann gesehen, dass man mit dem Foil wesentlich schneller als einem Raceboard unterwegs ist. Dann habe ich es auch ausprobiert und bin im letzten Jahr ganz darauf umgestiegen, denn dem Foil gehört die Zukunft, zumal man bei sehr wenig Wind starten kann.

Was fasziniert Dich am Foilen?
Man hat ein anderes Fahrgefühl als beim Raceboard und schwebt praktisch über das Wasser. Die Wellen klatschen nicht an das Brett, sondern man fliegt über sie hinweg und spürt kaum einen Wasserwiderstand.

„Ich will natürlich wieder ganz vorne landen, aber das wird schwer, denn die Konkurrenz ist bärenstark.“

Musst Du anders trainieren als früher?
Es ist ähnlich. Wir absolvieren mit dem Foil ja auch die gleichen Kurse wie früher, können aber wesentlich bessere Winkel fahren und erheblich schneller kiten. Während es bei den klassischen Renndisziplinen Slalom und Racing mehr auf die Beinmuskulatur und das Sprunggelenk ankommt, ist beim Foil der ganze Körper und vor allem die Rückenmuskulatur gefragt, damit der Körper stabilisiert wird.
Du hast 2016 die Foil-Premiere auf Fehmarn gewonnen. Was hast Du Dir in diesem Jahr beim Mercedes-Benz Kitesurf World Cup auf der Ostseeinsel vorgenommen?
Ich will natürlich wieder ganz vorne landen, aber das wird schwer, denn die Konkurrenz ist bärenstark. Ich gebe wie immer mein Bestes und hoffe, dass es für mich so gut wie möglich ausgeht.

Motiviert Dich ein Heim-Event oder musst Du aufpassen, nicht zu sehr von Freunden und wilden Partys abgelenkt zu werden?
Zu Hause zu fahren ist etwas ganz Besonderes. Man hat das deutsche Publikum im Rücken und das motiviert einen ganz enorm. Es ist schön, den Fans einen spannenden Wettkampf zeigen zu können. Ich genieße das immer, abgelenkt werde ich dadurch nicht.

Du kommst im Rahmen der Hydrofoil Pro Tour viel in der Welt herum. Wie sind die Veranstaltungen dort verglichen mit dem Mercedes-Benz Kitesurf World Cup Fehmarn?
Sportlich sind sie alle auf einem ähnlich hohen Level, aber vom Event-Charakter her ist Fehmarn mit Abstand die größte Veranstaltung der Welt. Das Rahmenprogramm, die vielen Testmöglichkeiten, die Partys und die Live-Konzerte – das ist einmalig und gibt es nirgendwo sonst.

„Mein Traum ist die Teilnahme an den Olympischen“

Kitesurfen hat es bisher nicht bis zu den Olympischen Spielen geschafft. Mit der Disziplin Foil soll ein neuer Anlauf genommen werden. Wie siehst Du die Chancen?
Für 2020 in Tokio ist ein Show-Event im Kite-Foil geplant. Es ist ein Wettkampftag mit TV-Zeiten vorgesehen, 16 Teilnehmer sollen über einen Short-Track, also einen kürzeren Kurs, fahren. Es werden keine Medaillen vergeben, aber ich wäre natürlich unheimlich gern dabei. Danach muss man sehen, ob Foil 2024 tatsächlich eine olympische Disziplin wird.
Ein Olympia-Teilnahme würde sicher auch bei der Sponsorensuche helfen.

Wie sieht es in finanzieller Hinsicht bei Dir aus?
In erster Linie geht es beim Kitesurfen um den Sport, ausschließlich leben können davon nur ganz wenige Athleten. Dafür hat man ein tolles Leben und reist in jungen Jahren an die schönsten Plätze auf der ganzen Welt. Ich kann meine Unkosten decken, habe nebenbei aber auch mit meinem Vater eine Surf- und Kiteschule am Brombachsee und bin im Winter Ski- und Snowboardlehrer. Zudem studiere ich International Management. Damit kann ich nach meiner Kitesurf-Karriere hoffentlich irgendwo in der Sportbranche Fuß fassen.
Du hast schon zahlreiche Titel gewonnen. Welche sportlichen Ziele hast Du noch?
Ich will beim Mercedes-Benz Kitesurf World Cup Fehmarn ganz vorn sein, ebenso bei der Hydrofoil Pro Tour. Natürlich möchte ich auch wieder Weltmeister werden, aber mein Traum ist die Teilnahme an den Olympischen Spielen.

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