Interview mit Thomas Burblies

Thomas Burblies

Thomas Burblies

„Heutzutage ist das Kitesurfen was für Jedermann“

Anfang August startet der Think Blue. Kitesurf World Cup 2014 in St. Peter-Ording, wo die besten Kiter der Welt mit den spektakulärsten Tricks begeistern werden. Teilweise in 5 Metern Höhe. Da ist es kein Wunder, dass viele Zuschauer für sich ausschließen jemals auf einen Kite in die Hand zu nehmen. Viel zu kompliziert und gefährlich. Kitesurf Trainer Thomas Burblies kann das nicht verstehen und vertritt die Meinung, dass mittlerweile jeder das Kitesurfen erlernen kann.

Wir haben ihn in einem Interview dazu befragt.

Hallo Thomas. Du hast 2001 mit dem Kiten angefangen und hast dich sofort in die Sportart verliebt. Heute reist du als Kiter und Kitesurftrainer um die ganze Welt. Dabei vertrittst du die Meinung, dass jeder das Zeug zum Kitesurfen hat.

Ganz genau so ist es.

Mit deinen 13 Jahren Erfahrung hast du natürlich leicht reden. Warum bist du so überzeugt davon?

Weil ich als Coach oft genug dabei war, als Neueinsteiger ihre ersten Schritte gemacht haben. Dadurch weiß ich, selbst die vorsichtigen Fahrer gute Fortschritte machen.

Wie wichtig ist dabei ein guter Trainer?

Wie in jeder anderen Sportart ist der Trainer natürlich ein sehr wichtiger Faktor. Gerade beim Kitesurfen ist ein guter Trainer entscheidend. Beim Fußball beispielsweise bringt ein Spieler von Anfang an die Voraussetzung mit, dass er laufen und sprinten kann. Wir müssen unseren Schülern jedoch komplett neue Bewegungsabläufe beibringen. Das erfordert eine hohe Konzentration. Auch vom Coach. Außerdem muss er entscheiden, wann das Wetter optimal ist. Also Windgeschwindigkeit, Windrichtung, Wellengang und so weiter.

Neben den Trainern und der grundsätzlichen Physis und Einstellung der Teilnehmer ist sicher auch das Material ein wichtiger Faktor…

Auf jeden Fall! Die Technik der Kites hat in den letzten 15 Jahren eine große Entwicklung durchgemacht. Heute sind sie viel leichter zu fahren.

Was genau hat sich an den Kites geändert?

Es gibt drei Dinge, die bei einem Kite entscheidend sind. Das Sicherheitssystem, die Depower und der Relaunch. Alle drei haben sich in den letzten Jahren stark entwickelt.

Jetzt noch mal für Unwissende…

*grinst* Ok. Mit dem Sicherheitssystem ist gemeint, dass der Sportler in einer kritischen Situation, beispielsweise wenn er unkontrolliert auf ein Hindernis zusteuert, Maßnahmen treffen kann, die seinen Kite abstürzen lassen und er so unverzüglich anhält. Dieses Sicherheitssystem wurde stark verbessert und ist bei Einsteiger-Kites sehr leiht zu bedienen. Mit Depower beschreibt man den Vorgang den Ausstellungswinkel des Kites so einzustellen, dass nur noch eine geringe Menge Wind auf diesen trifft. Der Kite wird quasi ruhig gestellt. So können Anfänger ihre Geschwindigkeit regulieren und sicherer fahren. Relaunch beschreibt den Vorgang, den Kite aus dem Wasser heraus zu starten. Gerade diese Technik ist sehr wichtig für die Einsteiger, da diese doch das ein oder andere Mal im Wasser landen. Und wie gesagt, durch die Verbesserung dieser drei Mechanismen ist das Kitesurfen heute so einfach zu erlernen wie noch nie. Eine professionelle Schulung ist dennoch der schnellste und sicherste Weg zum Erfolg.

Oder ein Blick in dein Buch

*lacht* Das könnte sicher auch nicht schaden.

Lass uns kurz darüber reden. Das „Tricktionary“ kann ja als eine Art Brockhaus des Kitesurfens betrachtet werden, das in die drei Kategorien Superbasics, Airstyle und Newschool aufgeteilt ist und in dem sowohl Anfängertechniken als auch komplexe Tricks erklärt werden. Was hat dich dazu bewogen, das „Tricktionary“ zu schreiben.

Grundsätzlich war es die Tatsache, dass es so ein Buch in der Form noch nicht gab und es für mich wichtig war, mal all mein Wissen vom Kitesport zusammenzufassen. Dafür habe ich mich mit Julian Hosp zusammengesetzt und mit ihm gemeinsam das Buch geschrieben.

Wann können wir mit einem nächsten Buch rechnen?

An dem wird fleißig gearbeitet. Wann es erscheint kann ich jedoch noch nicht genau sagen.

Widmen wir uns wieder den Grundlagen des Kitesurfens. Was ist das perfekte Wetter für einen Einsteiger?

Meiner Ansicht spielt das Wetter eine eher untergeordnete Rolle für das Erlernen des Kitesurfens. Klar, bei kräftigen Sturmböen und sehr hohen Wellen würde ich mit meinen Schülern nicht aufs Wasser gehen. Generell ist für mich aber die Einstellung des Sportlers entscheidend. Kommt er mit dem unbedingten Willen es zu lernen zum Kurs, sind Wind und Wetter nur Nebensächlichkeiten.

Wir können also festhalten, dass sich Anfänger getrost auf ein Board wagen können.

Ganz genau. Die Angst sich zu blamieren oder zu verletzten ist unbegründet. Jeder der schon mal ein Kite in der Hand hatte kann das sicher bestätigen.

Reden wir mal über den Think Blue. Kitesurf World Cup 2014 in St. Peter-Ording . Wie bereiten sich Profis auf ein solches Rennen vor und was sind die Besonderheiten der Bucht?

Das wichtigste ist, dass die Kiter die Möglichkeit bekommen sich ordentlich einzufahren. Die Fähigkeit an allen Spots der Welt eine ähnlich überragende Leistung abzurufen ist das, was einen Kiter mit Weltklasseformat von einem Guten unterscheidet. Sobald sich die Fahrer an den Spot gewöhnt haben, können sie ihr Potential abrufen.

Ich weiß es ist noch etwas hin, aber ich hätte gerne eine Einschätzung von dir, wer in St. Peter-Ording die besten Chancen haben wird. Beim Red Sea Kitesurf World Cup hat man ja gesehen, welche Rider dominiert haben.

Da kann ich schwer eine Einschätzung geben. Schon in Ägypten hat man ja gesehen, dass die Qualität in diesem Jahr sehr hoch ist. Aber ich bin mir sicher, dass wir mit einem großartigen Wettbewerb rechnen können.

Vielen Dank für das Interview.

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